Privatdrucksachen

Privatdrucksachen

Bei allen Privatdrucksachen gilt es, eine gewisse Zurückhaltung zu bewahren. Der private Charakter muss auf jeden Fall gewahrt bleiben. Der Setzer wird gut tun, sich ein möglichst zutreffendes Bild von der Art der Persönlichkeit des Auftraggebers zu machen, um so die richtige Inspiration für die Arbeit zu bekommen. Jede Privatdrucksache sollte zu ihrem Namensträger passen. Es ist mit den Drucksachen etwa gleich wie mit den Farben: Nicht jede Farbe passt gleich gut für jeden Menschentyp. Eins kann man sich aber mit Gewissheit merken: Eine gute Drucksache ist eine gute Empfehlung und lässt gewisse Rückschlüsse auf ihren Besitzer in bezug auf seinen Charekter vor allen Dingen aber auf sein Schönheitsempfinden ziehen.

Visitenkarten

Der Zweck der Visitenkarte war ursprünglich eine Besucherkarte, welche man bei der Ankunft dem Dienstboten abgab, der die Anmeldung dann besorgte. Durch die Karte wurde eine peinliche Entstellung des Namens, wie dies bei bloßem Vorstellen und Namennennen leicht geschechen kann, vermieden. Sie war ursprünglich vor allem in den höheren Gesellschaftskreisen und in der Diplomatie in Gebrauch. In der heutigen Zeit ist jedoch die Visitenkarten bedeutend mehr verbreitet. Ein Großteil der Jugend hat heute eine Visitenkarte, die unter Freunden und Bekannten ausgetauscht wird, zum Teil auch Bekanntschaften anbahnen hilft. Sie wird auch benutzt als private Merkkarte für gegenseitige Abmachungen und für Mitteilungen und sonstige kleine Verbindlichkeiten. Als Formate, wobei die Herrenformate eher größer sind als die Damenformate. Die Schriftwahl richtet sich nach der Persönlichkeit für welche die Karte hergestellt wird. Während für Herren Antiqua- oder Groteskschriften bevorzugt werden, wählt man für Damen auch hie und da Zierschriften. Visitenkarten sollten nicht zu groß gesetzt werden. Entsprechend dem kleinen Format genügt für die Hauptzeile 8 bis 12 Punkt und für die Adresszeile 4 bis 8 Punkt. Ausnahmen sind ohne weiteres auch möglich, wie sich geschmacklich überhaupt oft andere Möglichkeiten ergeben, die, wenn fein empfunden und sinnvoll ausgeführt, für sich sprechen.

Geburtsanzeige

Die Geburtsanzeige wird als einfache oder als Klappkarte verschickt. Als Format wählt man Hoch- oder Querformat, meist nicht größer als A6. Die Texterfassung ist recht verschieden. Während sich viele Auftraggeber darauf beschränken, eine Anzeige zu verschicken, aus welcher die freudige Mitteilung der Geburt, der Name der Neugeborenen, das Datum der Geburt, der Name und die Adresse der Eltern zu ersehen sind, belieben andere, literarisch eingestellte Eltern, ein feinsinniges, ihnen passend erscheinendes Gedicht vorzustellen. Neben der schlichten Geburtsanzeige entstehen auch ganz originelle Formen. Es kommt hier nun wirklich auf die Einstellung des Auftraggebers an, der bei Aufgabe der Arbeit in der Druckerei die Wünsche ausspricht. Als Schriften eignen sich für die Geburtsanzeige eigentlich alle guten Antiquaschriften, auch feine Groteskschriften, Kartenschriften, englische Schreibschriften, Gravur- und auch Zierschriften. Neben klassichen Versalsatz auf Mitte ausgeschlossen finden wir auch neuzeitlichen asymmetrischen Satz angewendet. Es lassen sich verschiedene Nuancen erkennen, die man auf die Geburtsanzeige anwenden kann, nämlich: freudig, zart, kräftig, zurückhaltend, bewegt, klassisch, modern. Die Wahl der Mittel wird sich ganz auf die gewählte Nuance einstellen. Hierbei muss der Setzer viel Feinempfinden aufbringen.

Vermählungsanzeigen

Einen besonderen Platz in der Reihe der Privatdrucksachen nimmt die Vermählungsanzeige ein. Gleichzeitig muss auch die Verlobungsanzeige genannt werden, die unter ganz ähnlichen Gesichtspunkten gehalten wird. Für die Karten, die meist gefalzt werden, sind außer Normalformat A6 auch andere Größen im Gebrauch, schlankere oder breitere. Man hält sich dabei an die vorhandenen Papeterien. Bei den Vermählungsanzeigen wird die Vorderseite häufig dazu benutzt, ein schönes Monogramm (die Anfangsbuchstaben der beiden Partner) oder ein feines, typografisch gesetzes Signet anzubringen. Auf den Innenseiten wird nun der eigentliche Text, die Vermählungsanzeige gesetzt. Wir müssen zwei Arten unterscheiden, nämlich die ältere, bei welcher die Anzeige durch die beiden Elternpaare geschieht, wobei auf der linken Seite die Anzeige der Eltern der Dame und auf der rechten Seite diejenigen der Eltern der Dame und auf der rechten Seite diejenige der Eltern des Herrn zu stehen kommt. Und weiter kennen wir die am häufigsten angewendete Form, auf welcher nur das junge Paar selbst seine Vermählung anzeigt. Bei der ersten Art, die meist titelmäßig gesetzt wird, ist darauf zu achten, dass die linke und rechte Seite sich gut die Waage halten. Man wendet hierzu meist symmetrische Satzart an, während bei der zweiten, häufigeren Art auch die neuzeitliche Gestaltungsweise Raum gewinnt.

Vermählungsanzeigen werden in schönen Zeilenfällen gegliedert und müssen vor allem ästhetisch und nicht reklamenhaft wirken. Auch die Verwendung einer zweiten Farbe kann die ganze Karte noch verfeinern. Die Vermählungsanzeige enthällt die Namen des Paares als wichtigste Zeile, sodann den allgemeinen Text, und dann folgt das Datum mit der neuen Adresse. Bei der Verlobungkarte werden die Adressen der beiden Verlobten angegeben. Bei Verlobungsanzeigen wird in der Regel der Name der Dame vorangestellt, bei Vermählungskarten umgekehrt. Als Schrift kommen klassische Antiqua- oder Mediäval-, sowie feine Grotesk- und überhaupt auch weitere gute neuzeitliche Schriftschnitte in Frage. Man kann druch die besondere Schriftwahl der Vermählungskarte einen bestimmten Charaker geben.

Privatbriefpapier

Die Herstellung von Privatdrucksachen ist Vertrauenssache. Die Gestaltung des Satzes muss mit äußerstem Feingefühl vor sich gehen, um den geeigneten Typ zu schaffen, der zur Persönlichkeit des Auftraggebers passt. Als Schriften eignen sich besonders gut die edlen, klassichen Antiqua-Schriften. Auf die feinen Karten- und Gravurschriften und sogar Charakterschriften können in Betracht gezogen werden. Die Formung des Satzes lässt verschiedene Möglichkeiten zu. Neben ganz zurückhaltender Art wird auch die Anwenung von Monogrammen und Signets erwogen werden können. Hier muss der Akzidenzsetzer jedoch taktvoll erkennen, in welcher Weise Idee und Zweckbestimmung zu koordinieren sind. Passend zum Briefbogen müssen auch das Briefkuvert und die Briefkarte abgestimmt werden, alles muss wie ein Guss wirken. Bei der Briefhülle wird oftmals nur die Klappe auf der Rückseite bedruckt. Man kann dies in einer Zeile oder in einem schönen Zeilenfall vornehmen. Es eignet sich dazu der Kapitälchen- oder auch Versaliensatz. So bieten sich dem Gestalter also viele Möglichkeiten. Immer muss man aber im Auge behalten, dass nur eine gute Privatdrucksache eine gute persönliche Empfehlung ist. Die Gesamtwirkung hängt noch von der Wahl des geeigneten Briefpapiers ab. Neben guten weißen Papeterien gibt es auch leicht getönte. Die Qualitäten sind verschieden. Mit Feingefühl gilt es auch hierbei auszuwählen - man vermeidet am besten bunte Töne zugunsten von weißen oder höchstens silbergrauen Papierton. Wählt man einen geeigneten Ton, so muss die ganze Drucksachenserie einheitlich sein.

Neujahrskarte

Der schöne Brauch, zum Jahresbeginn seine guten Wünsche zu senden, geht schon sehr weit zurück. Es gibt alte Holztafeldrucke aus der Frühdruckzeit, die als Neujahrskarten, oft in vielen Farben koloriert oder eingefärbt, zum Abdruck kamen. Auch heute senden Künstler ihren Freunden Radierungen, Holzschnitte oder Farbendrucke von ihren Bildern, um Freude zu bereiten. Auch im Typendruck werden viele schönen Neujahrskarten hergestellt. Wir wollen einen Unterschied machen zwischen Neujahrskarten, die nur den Glückwunsch ausdrücken und als ziemlich unpersönlich oder neutral angesehen werden müssen, und solche, die wirklich Werte in sich bergen und dem Empfänger Überraschung und Freude bereiten. Es sind dies die Karten mit literarischen Qualitäten, welche oft die besten Geistessätze der Denker und Dichter enthalten. Der Jahreswechsel steht bei den geistig eingestellten Menschen im Zeichen der Besinnlichkeit, sie werden wohl am besten solche Karten zu schätzen wissen. Die Aufgabe des Setzers ist es, würdigen Texten mit den passenden Satzelementen auch die passende Gestaltung zu geben - darin liegt eigentlich seine Kunst begründet. Diese Karten können, bibliophil oder symbolisch gesetzt, schönste Dokumente unserer Arbeit werden.