Geschäftliche Drucksachen

Geschäftliche Drucksachen

Die Geschäftsdrucksache sollte werbend wirken, und dies kann verbunden sein mit irgendwelchen originellen Einfällen und beabsichtigten Nuancen der Wirkung, zum Beispiel heiter order ernst, vornehm oder schlicht, massiv oder beschwingt, leicht oder schwer usw.

Unter geschäftlichen Drucksachen versteht man im allgemeinen: Geschäftskarte, Briefkopf, Rechnung, Briefkuvert, Prospekt und Werbedrucksachen, Aufträge also, welche der geschäftlichen Empfehlung, der Mitteilung, der Warenakündigung, der Versendung und Abrechnung diesen. Mit diesen Drucksachen, die nach außen das Gesicht des Geschäfts darstellen, muss das Vertrauen des Kunden erworben und gefestigt werden.

Jede gute Geschäftsdrucksache ist eine gute Geschäftsempfehlung, und es sollte daher nie versäumt werden, diese mit großer Sorgfalt zu behandeln. Die Geschäftsdrucksachen stellen ihrem Inhaber immer ein Zeugnis aus, wenn er sich ihrer bedient und angenommen werden muss, dass er zu ihnen in formaler Beziehung steht. Der Akzidenzsetzer muss hierzu mit feinem Einfühlungsvermögen die geeigneten Mittel wählen, die für die Branche passen und die nötige Stimmung erzeugen.

Es gilt Zurückhaltung zu üben, wo diese am Platze ist, und Originalität walten zu lassen, wo dieses als positives Moment zur Geltung kommen kann. Es stehen sich besonders bei diesen Akzidenzen die Möglichkeiten gegenüber, die sich aus dem vorhandenen Raum, den zu wählenden Satzelementen sowie der Farb- und Papierwahl ergeben.

Geschäftskarte

Die Geschäftskarte hilft, das Geschäft voranzutreiben und abzuschließen. Mit der Bestimmung, beim Kundenbesuch der Anmeldung zu dienen, hat diese Karte in ihrer Anlage und Textgliederung bzw. Auszeichnung nach der logischen Seite hin Auskunft zu geben über: 1) Namen der Firma; 2) Branchenart; 3) Ort und Straße, Telefon, E-Mail, Webseite; 4) Spezialitäten; 5) evtl. Vertreternamen, wenn der Inhaber die Karte nicht selbst überreicht.

Nach der optischen Empfindung hin soll die Karte ästhetisch angenehm wirken, am besten in der Nuance, die der Branche entspricht, und wenn Farbigkeit erlaubt ist, in der Farbe, die dem Wesen der Drucksache am zuträglichsten scheint.

Als Formate gelten die Normalformate A6 oder A7. Man soll sich möglichst an diesen Größen halten, weil sie sich für das Sammeln eignen und die Branchenkartothekanlage erleichtern. Immerhin ist auch heute noch die Verwendung anderer Formate möglich, besondern dann, wenn es sich um Karten handelt, die nur hauptsächlich in Privathand gelangen und als Merkkarte für Abmachungen oder als Notizkarte einmalig wirken soll und die weniger gesammelt werden. Diese Karten bilden die angenehme Abwechslung gegenüber den Einheitsgrößen, weshalb sie auch für freie Formate ohne weiteres angewendet werden können. Als Schrift wähle man möglichst klare Charakterschriften wie Grotesk, Antiqua, Mediäval oder Egyptienne. Damit sind nicht etwa andere Schriften ausgeschaltet, die sich ebenfalls nach gutem Abwägen verwenden lassen.

Maßgebend für die Gestaltungsweise, ob Asymmetrie oder Symmetrie, ist die textliche Eignung. Bei der Bestimmung der Schriftgrößen suche man mit möglichst drei Graden auszukommen. Was zusammengefasst werden kann, wird zu möglichst wenig Gruppen vereinigt. Asymmetrisch lassen sich Aufzählungen gut reihenmäßig anordnen. Es können auch Signets angewendet werden. Beim Aufbau der Karte beachte man, dass die Schriftgrößen und die angelegten Gruppen sich gut steigern und Harmonie erzielt wird. Papierraum und Elemente wirken aufeinander und bilden einen harmonischen Ausgleich.

Bei den symmetrischen Karten gibt es solche mit und ohne Einfassung. Auch Randleisten können angewendet werden. Immer achte man darauf, dass die Geschäftskarten nicht zu stark mit Schrift gefüllt werden, sondern dass noch ein gewisser Papierraum bleibt.

Briefkopf / Briefpapier / Briefbogen

Der Briefkopf ist der Geschäftsvordruck auf dem Briefpapier, welches der Geschäftskorrespondenz dient. Der vorgedruckte Briefkopftext enthällt die genaue Firmen- und Branchenbezeichnung, Ort und Straße, Telefon, Telefax, E-Mail und Webadresse. Er kann ferner noch Spezialitäten aufführen, jedoch mit der Erkenntnis, dass der Briefbogen nicht ein Prospekt ist, also nicht ungebührlich belastet werden sollte.

Wir unterscheiden in den Formaten A4 und A5. Die letzteren nennt man auch Halbbriefbogen. Sie werden heute auch im Hochformat gedruckt, obgleich das ältere Querformat, das Memorandum, trotzdem noch immer häufig gewünscht wird, weil die Normenvorschriften noch nicht überall durchgedrungen sind. Die genormten Formate sind aber überall eingeführt und haben sich für alle mitteilenden Drucksachen bewährt. Das Durcheinander der Formate ist verschwunden, die Ordnung in den Sammlern dadurch gewährleistet.

Auch die Satznormung sollte für die Geschäftsdrucksachen von allen Buchdruckern weitgehend gefördert werden, denn sie bietet manche Vorteile. Durch die Satznormen-Vorschriften werden dem gestaltenden Setzer noch genügend Möglichkeiten geboten, um seinen Gestaltungsdrang wirken zu lassen. Man muss sich vor allem den Platz des Anschriftfeldes merken und auch, dass der linke Heftrand 20mm beträgt. Bei der Anordnung der Hauptzeilen ist darauf zu achten, dass die Vertikalfalzung (bei Verwendung der Briefhülle C6) nicht durch die Schrift geht. Meist kann man dies gut umgehen durch geeignete Stellung der Elemente. Der Briefkopf wird in der Regel so gesetzt, dass er zugleich für das Rechnungsformular verwendet werden kann. Alle Drucksachen der gleichen Firma sind ohnehin einheitlich zu gestalten, dass sie eine Serie bilden.

Unten am linken Papierrand soll die Schlussmarke nicht übersehen werden, welche bezweckt, den Schluss des Briefbogens bei Maschinenschrift anzuzeigen. Die Schlussmarke hat einen Abstand von 30mm von der unteren Bogenkante. Der Briefkopf kann oben auf dem Raum von 45mm Höhe platziert. Wir unterscheiden Eckbriefköpfe und solche, die sich auf ganze Papierbreite, den Papierrand abgerechnet, ausdehnen. Nichtgenormte Geschäftsbriefbogen sind in der Höheneinteilung frei.

Der Briefkopf kann symmetrisch und auch asymmetrisch gestaltet werden - das richtet sich nach dem Text und nach der Eignung. Die Wahl der Schriftart gibt dem Briefbogen das Gesicht, diejenige das Papiers und der Druckfarbe erfüllen ein übriges. Für bestimmte Branchen lassen sich auch getönte Papiere anwenden. Man halte sich jedoch an ganz leichte Töne, denn stark gefärbte Papiere wirken leicht kitschig. Am besten sind wohl immer die weißen, neutralen Papiere. Man muss als Gestalter stets daran denken, dass der Briefbogen diejenige Drucksache ist, welche an die ersten Geschäftsbeziehungen anknüpft und damit angenehme Eindrücke hinterlässt oder nicht. Dies verpflichtet uns, der Gestaltung des Briefkopfes die notwendige Pflege angedeihen und ihn damit zu einer guten Geschäftsempfehlung werden zu lassen.

Briefumschlag

Die ist eine abhängige Drucksache, abhängig nämlich, weil sie immer die Hülle bildet für irgendeine schon vorhandene, zur Versendung kommene Einlage. Die Abhängigkeit bedingt immer eine geschmackliche und formale Anlehnung an die inliegende Drucksache, meist an den Briefbogen oder an die Briefkarte. Man verwendet zum Satz der Briefhülle die gleiche Schriftart in der gleichen Gestaltungsweise wie der inliegende Briefbogen. Die Briefhülle soll in den Schriftgraden eher zurückhaltend sein, damit der Briefbogen innen sozusagen das Fortissimo zu ihr bildet und nicht etwa durch das Kuvert schon vorweg in der Wirkung abgeschwächt wird. Der Schrifttext beschränkt sich bei der Briefhülle auf den Namen der Firma, den Ort, die Straße, das Postfach und evtl. Telefon. Übrigens wird nach dem Öffnen des Briefes der Umschlag weggeworfen. Das Bedrucken des Kuverts dient vor allem der Post, damit Rücksendungen wieder an den Absender gelangen können. Die Briefhüllen sind bekannt als Reihe C. Der obere Drittel ist für die Postvermerke und die Frankatur vorgesehen. Der linke Drittel ist für den Absender bestimmt. Man kann an den Abgrenzungen dünne Linien einsetzen oder nicht, muss aber unbedingt die richtigen Räume einhalten. Außer der normalen Kuverts gibt es Selbstklebehüllen, welche hygienisch völlig einwandfrei funktionieren, in dem das Anfeuchten beim Verschließen durch die bereits vorhandene Klebemasse wegfällt. Die länglichen Kuverts C6/5 eignen sich besonders dann gut, wenn der Brief mit Fortsetzungsblättern ergänzt wird. So kann der Vertikalfalz, der zum Beispiel beim Format C6 notwendig wäre, vermieden werden, der den Brief sehr dick machen würde.

Prospekt und Werbedrucksachen

Prospekt und Werbedrucksachen gehören zu den anschaulichsten Drucksachen, die das Auge erfreuen und auf längere Zeit befriedigen sollen. Es ist die besondere Eigenart der Werbung, originell wirken zu dürfen, weshalb gute Ideen bei der Gestaltung von Werbedrucksachen ganz besonders beliebt sind. Doch soll jede Idee aus dem Inhalt der Drucksache hervorgehen, ihn gewissermaßen bestätigen. Die Gestaltung von Prospekten und Werbedrucksachen stellt an den Akzidenzsetzer ganz besondere Anforderungen. Ein Werbedruck soll einen guten Gesamteindruck machen, aber auch die Werbung klar erkennen lassen.

Durch originelle Falzungen, Anwendungen von Bildern, Schmuck und Farbe, die sinnvoll und harmonisch verarbeitet werden müssen, kann Erfreuliches entstehen. Es gibt keine andere Drucksachengattung, welche so viele Varianten erlaubt wie die Werbedrucksache. Die volle Auswertung aller Spannungsmöglichkeiten zwischen den Beziehungen von Fläche und Schrift, von Bild zu Schrift, von Schmuck zu Schrift und Schriftelement zu Schriftmasse ist gegeben. Darin besteht die Leistung des Gestalters, alle diese Möglichkeiten mit dem Zweck, dem geistigen Inhalt in Einklang zu bringen. Einige Grundsätze bei der Gestaltung der Werbedrucksache im allgemeinen sollen wegleitend sein:

  • Der Umfang des Inhalts und das Vorhandessein des Raumes bestimmt die Schriftgröße. Es gibt kein endgültiges Rezept für die Bestimmung der Schriftgröße, denn jede Werbedrucksache stellt neue Bedingungen. Zu kleine Schrift ist schlecht lesbar, zu große Schrift ist aufdringlich und wirkt grob. Die Größe der Papierfläche unter Einbeziehung der Masse der Schrift erlaubt die Bestimmung der Größe der Grundtypen.
  • Die erstrebte Nuance ist maßgebend für die Wahl der Wirkungselemente, die zwischen Typen, Flächen, Bildern abwechseln können. Bei einem Faltprospekt zum Beispiel werden mit bestem Erfolg auf jeder neuen Seitenfläche neue Situationen geschaffen und die Wirkungselemente abgewechselt. Diese Wechselwirkungen sind, gegeneinander angewendet, erfrischend und belebend. - Jedenfalls ist eine weise Beschränkung auf das Wesentliche, Zweckdienliche zu empfehlen. Die Anwendung von etwa drei Wirkungselementen auf der gleichen Fläche wird voll ausreichen zur Belebung und harmonischen Spannungsbildung. Ein Zuviel davon bringt Unruhe, ein Zuwenig aber Langeweile. Im richtigen Erkennen der jeweiligen Situation liegt die schöpferische Lenkung zum Gelingen begründet. Die meisten Fehler entstehen durch Überbetonung oder durch stumpfsinnige Gleichbetonung.
  • Eine weitere Grundbedingung guten Gestaltens ist die Abgewogenheit der Fläche und der Gruppen. Man denke auch an das Gegenspiel von Senkrechter und Waagerechter und an die Möglichkeit der Schrägen. Als Gesaltungsart wird sich für die Werbedrucksache die asymmetrische Formung eher eignen als die symmetrische, da sie spannungsreicher, vielseitiger und dynamischer ist.

Plakat

Das Plakat ist auf Fernwirkung eignestellt und soll dies auchin seiner ganzen Anlage erkennen lassen. Beim Plakat ist das Wichtigste die Schlagzeile des Anlasses, welche entsprechend hervortreten soll. Plakate müssen gut gegliedert sein und sollen nur wenige Schriftgrade zeigen.